Read Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart by Bernd Faulenbach Online

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1863 wurde von Ferdinand Lassalle der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegrndet, eine Vorluferorganisation der heutigen Sozialdemokratischen Partei Mit seiner Grndung beginnt der lange Weg der sozialistischen Bewegung in Deutschland von den vaterlandslosen Gesellen der Bismarck Zeit ber die Weimarer Staatspartei und Verbot und Verfolgung im Dritten Reich bis zur Regierungspartei in der Bundesrepublik Bernd Faulenbach, einer der besten Kenner des Themas, schildert souvern und anschaulich die Geschichte dieser 150 Jahre Sozialdemokratie in Deutschland....

Title : Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Author :
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ISBN : 3406637175
ISBN13 : 978-3406637179
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : C.H.Beck Auflage 1 17 September 2012
Number of Pages : 144 Seiten
File Size : 974 KB
Status : Available For Download
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Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart Reviews

  • Oliver Steffen
    2018-12-09 09:31

    "Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht! [...] Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus."Mit diesen Worten begründete Otto Wels am 23. März 1933, vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Drohkulisse (u.a. SA-Posten) im deutschen Reichstag, die Ablehnung des nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetzes, welches die endgültige Grundlage zur Ausschaltung der Demokratie und zur Schaffung der NS-Diktatur bildete. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands stimmte danach als einzige Partei geschlossen gegen das Nazi-Gesetz.Ziemlich genau 80 Jahre später, am 23. Mai 2013, feierte man in der Bundesrepublik nicht nur den 64. Jahrestag der Verabschiedung des Grundgesetzes der BRD - man gedachte auch der Geburtsstunde und des 150-jährigen Bestehens der Sozialdemokratie, der Gründung des "Allgemeinen deutschen Arbeitervereins" durch Ferdinand Lassalle 1863. Die zeitgenössischen SPD-Granden versammelten sich selbstbewusst in einer Zeit der Krisen der heutigen SPD, hoben Verdienste der Vergangenheit und Traditionen ebenso hervor wie Kontinuitäten, mussten dies auch, wollte man sich doch auch durch die Erinnerung an die bewegte Vergangenheit selbst legitimieren, sich den Menschen gleichsam als Erbwalter der ältesten und wohl prägendsten demokratischen Kraft Deutschlands darstellen. Glückwünsche (ebenso wie Mahnungen) kamen auch aus den Reihen der anderen Parteien.Egal wie man der SPD in der heutigen politischen Auseinandersetzung gegenübersteht, kann man doch nicht verhehlen, dass sie entscheidende, teilweise die entscheidendsten Momente deutscher Geschichte der letzten anderthalb Jahrhunderte mitgeprägt hat, an wichtigen Weichenstellungen dieser Geschichte beteiligt war. Die politische Kraft, welche einst aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen war und bald schon die demokratische Gesellschaftsordnung auf ihre Fahnen schrieb, war dabei - und ist es bis heute - vor allem der Prügelknabe politischer Gegner, oft genug des Staates. Diese Erfahrungen haben die Sozialdemokraten ebenso geprägt wie sie umgekehrt die Zeit in der sie wirkten, beeinflusst haben. Gerade deshalb verdient ihre Geschichte, ungeachtet der Beurteilung ihres politischen Charakters in der heutigen Tagespolitik, eine interessierte Betrachtung.Bernd Faulenbach legt hiermit eine Gesamtdarstellung der SPD vor, welche die bewegte Geschichte der Partei nachzeichnet: Von ihrer Entstehung als sozialistische Bewegung der Arbeiter, über die Zeit der Verfolgung und Stigmatisierung in der Kaiserzeit; weiter über ihre entscheidende und staatstragende, oft aber auch unglücklich wirkende Rolle in der Weimarer Republik, den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten und die Neufundierung der Partei in der Bundesrepublik bis hin zu den entscheidenden politischen Weichenstellungen, welche diese Republik durch das Wirken der SPD (vor allem unter den Kanzlern Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder) erfahren hat. Auch die heutige Zeit, die heutige Situation der SPD wird nicht ausgespart. Der Autor ist nicht nur Historiker und renommierter Experte für die Geschichte der Arbeiterbewegung und der SPD, sondern selbst Mitglied dieser Partei - und Vorsitzender der Historischen Kommission beim Parteivorstand! Dies erscheint äußerst problematisch, wenn man bedenkt, dass eine solche Darstellung die unbedingte Erwartung voraussetzt, dass hier eine kritische, möglichst unvoreingenommene, auf jeden Fall geschichtswissenschaftliche Sicht auf die Materie vorherrschen sollte. Doch muss man hier die Frage danach stellen, inwieweit eine solche neutrale Sicht angesichts der bis heute kontrovers diskutierten Geschichte der Partei überhaupt erfolgen kann - wer sich hier unvoreingenommen genug glaubt, der hebe als erster die Feder! Außerdem ist es doch auch interessant zu sehen, wie gewissermaßen die Partei ihre eigene Geschichte schreibt. Weiterhin: Das Buch kann und sollte man auch ungeachtet solcher Vorbehalte als ein interessantes Stück deutscher Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert lesen - darin liegt der Vorzug der Darstellung. Nichtsdestotrotz bleibt bei Lektüre und Rezension die Frage, inwieweit es dem Autor gelingt, eine kritische Sicht auf seine Partei einfließen zu lassen, Kritikpunkte zuzulassen.Bereits in den einleitenden Bemerkungen des Autors wird deutlich, dass die Geschichte der SPD tatsächlich mit einigen der grundsätzlichsten Phänomene und Entwicklungen der neueren Zeit verwoben ist: Der Blick fällt auf die Frage nach dem Verhältnis von Arbeitern und Politik, von deutscher und europäischer Arbeiterbewegung, von SPD und Marxismus und von SPD und Kommunismus. In den Blick einer Beschäftigung mit der Geschichte der SPD geraten die Brüche deutscher Vergangenheit, insbesondere die Nazi-Zeit und die Gründung der BRD, die Geschichte des Parteiensystems der Bundesrepublik und ihrer Auseinandersetzungen sowie nicht zuletzt die Frage nach der Aktualität sozialdemokratischer Vorstellungen vor dem Hintergrund der internationalen Krise der globalisierten Finanz- und Marktwirtschaft - aber auch vor dem Hintergrund der europäischen Krise der Sozialdemokratie.Die SPD ging Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Zusammenschluss von Allgemeinem deutschem Arbeiterverein und Sozialdemokratischer Arbeiterpartei hervor, verstand sich früh als Partei der Arbeiter und ihrer Interessen sowie der Demokratie. Es entwickelte sich um die Partei bald das lange charakteristische Milieu einer spezifischen und relativ homogenen Arbeiterkultur heraus, die Partei wuchs seit den 1890er Jahren relativ schnell und wurde bald Zielscheibe der Reprressionspolitik des monarchischen Obrigkeitsstaates. Unter dem Eindruck dieser Verfolgungen verfestigte sich die Basiskultur der Partei noch; für die Anhänger wurde die Partei bald wie eine Familie, mit der man sich identifizierte. Der Autor beschreibt sehr anschaulich die sich auch unter diesem Eindruck vollziehenden Richtungs- und Flügelkämpfe sowie die theoretischen Debatten und Grundpositionen der SPD (ärgerlicherweise vergisst der Autor zu erwähnen, dass der Name "SPD" erst seit 1890 offizielle Bezeichnung war). Aus diesen Auseinandersetzungen wurde der frühe ambivalente Charakter der Partei deutlich, einerseits lange Zeit eine Art sozialistischer Utopie anzustreben, andererseits immer auf die Fahnen zu schreiben, durch konkrete Reformen die Lebensverhältnisse der Menschen in Deutschland im Rahmen einer parlamentarischen Demokratie zu verbessern.Diese Ambivalenz aus ehrgeizigen und vermessenen Utopien einerseits und konkretem Gestaltungswillen durch Reformen andererseits blieb kennzeichnend für die Partei. Programmatisch bedeutete dies, dass man eine "klassenlose", sozialistische und demokratische Gesellschaft und eine umfassende Verbesserung der Lage der arbeitenden Bevölkerung anstrebte. Durch diesen nach wie vor revolutionären Charakter blieb man innerhalb des Kaiserreiches isoliert, vom Obrigkeitsstaat stigmatisiert und diskriminiert. Durch die schwierige Doppelrolle zwischen prinzipiellem Pazifismus und grundsätzlichem Patriotismus stellte der Erste Weltkrieg eine Zerreißprobe für die Partei dar, was mittelfristig zur Spaltung der SPD führte. Diese Spaltung (1916-19) mündete wiederum in die parteipolitische Situation einer parlamentarisch-demokratischen SPD auf der einen, und einer extrem linken bis kommunistischen Bewegung auf der anderen Seite.Faulenbach schildert nun die Entwicklung der SPD zu DER staatstragenden Partei der Weimarer Republik: Nachdem die Monarchie infolge der Kriegsniederlage unterging, war es an den einst durch den Obrigkeitsstaat verfolgten Sozialdemokraten, die Rolle des Konkursverwalters eben dieses Obrigkeitsstaates einzunehmen, man zeichnete entscheidend verantwortlich für die Etablierung der Weimarer Demokratie und deren Stabilisierung in der Revolution von 1918/19, wo man das Chaos verhütete und eine demokratische Ordnung durchsetzte - trotz aller dabei gemachten Fehler (Schulterschluss mit den Freikorps und den Kräften der alten Ordnung; Vermeidung grundlegender Umgestaltungen). In der kurzen Geschichte der Republik wurde man schließlich zur einzigen konsequent verfassungstreuen Partei, die sich gegen kommunistische wie nationalsozialistische und rechtsextreme Bedrohung der Demokratie zu behaupten suchte und dabei schließlich im Rahmen der NS-Machtergreifung unterlag.Im "Dritten Reich" hatte man Exil und Verfolgung zu erleiden und partizipierte danach dennoch erneut entscheidend an einem erneuten demokratischen Aufbruch Deutschlands, prägte das bundesrepublikanische Grundgesetz entscheidend mit, war jedoch zu Beginn der BRD auf die Oppositionsbänke verwiesen. Das alte SPD-Milieu hatte infolge von NS-Herrschaft und Krieg zu erodieren begonnen und die Partei musste sich erst neu aufstellen und sich (Godesberger Parteitag 1959) zu einer modernen "linken Volkspartei" transformieren, bevor man erneut die eigentliche Herzensaufgabe wahrnehmen konnte: Die Verhältnisse zu gestalten: Seit 1969 stellte die SPD den Kanzler, initiierte (zusammen mit der FDP) ein ehrgeiziges Reformprogramm und gestaltete die Außenpolitik komplett um, um im Zeichen deutscher Teilung und Kaltem Krieg einen innerdeutschen "Wandel durch Annäherung" zu gestalten.Ab hier beginnt man sich als Leser der Tatsache bewusst zu werden, dass die Parteimitgliedschaft des Autors durchaus einen gewissen Einfluss auf die Darstellung hatte; die Geschichte der SPD erscheint in allererster Linie als eine durchgängige Erfolgsgeschichte, und der Autor zeichnet im Wesentlichen ein positives Bild "seiner" Partei. Doch thematisiert Faulenbach durchaus auch die negativen Seiten des Wirkens der SPD, vor allem jedoch vor dem Hintergrund der historischen und politischen Rahmenbedingungen, wie des Zerfalls des sozialdemokratischen Milieus nach 1945, der wirtschaftlichen und sozialen Probleme und der Herausforderung, das politisch Nötige mit dem parteipolitisch Gewünschten zu verbinden. Ein kritisches Licht wirft der Autor in diesem Zusammenhang auf die Rolle der Partei im Rahmen des Prozesses der deutschen Wiedervereinigung, doch auch hier hält er sich mit negativen Urteilen sehr zurück. Allerdings wird hier wie an anderen Stellen deutlich, dass Faulenbach für seine Partei einige Nach-Gefechte gegen den ungeliebten Oskar Lafontaine schlägt; die Attacken und Seitenhiebe auf seine Person ziehen sich durch weite Teile des Buches, was - ungeachtet der Frage, wie man persönlich dazu steht - ein wenig unprofessionell wirkt.Die SPD war eine Partei, deren Politik im Besonderen durch Verwerfungen und die politischen Herausforderungen der Zeit an die Politik geprägt wurde, ob es um den Links-Terrorismus oder die Friedensbewegung, den wirtschaftlichen Strukturwandel und zeitgenössische Protestbewegung geht. Ein besonders signifikantes Beispiel stellt hierbei die berüchtigte "Agenda 2010" dar, deren Politik des Umbaus des Sozialstaates vielen als "unsozialdemokratisch" erschien, jedoch ein dringend nötiges Reformprogramm darstellte, wie heute alle Experten bestätigen und wie es insbesondere das Ausland wahrnimmt. Ohne die Agenda stünde Deutschland heute wohl nicht so gefestigt dar wie es dies tut. Gleichwohl waren und sind, und dies wird leider vom SPD-Vorstandsmitglied Faulenbach (wie aber auch allgemein in der Literatur) nicht genügend hervorgehoben, mit dieser Reform massive soziale Verwerfungen und damit wiederum massive Glaubwürdigkeitsschäden für die SPD verbunden. Doch das hinter diesem Reformvorhaben stehende Prinzip vermag Faulenbach durchaus prägnant zu bezeichnen:Die SPD war eine Partei, welche in ihrer Geschichte die drängenden Herausforderungen der Zeit oft klar erkannte und wichtige Reformen anschob, deren politische Prinzipien dadurch gekennzeichnet war, den politisch-ökonomischen Wandel "nicht nur zu erleiden, sondern zu gestalten" (Faulenbach, S. 136), den Sozialstaat wie die Demokratie nicht nur zu verteidigen, sondern auch auszubauen (was natürlich für die Agenda mitnichten gilt). Sie war hierbei mit unterschiedlichen außen- innen und sozioökonomischen Herausforderungen, aber auch parteipolitischen Konflikten konfrontiert, was die Frage nach Rolle, Gestalt und Stellung der Partei in der heutigen politischen Landschaft aufwirft. Dem Autor gelingt insgesamt ein überzeugendes Porträt seiner Partei; in diesem Zusammenhang sei abschließend noch einmal hervorgehoben, dass der große Vorteil des hier vorliegenden Buches darin liegt, durch das Nachzeichnen der Geschichte und Entwicklung der Sozialdemokratie auch einen Bogen durch die wichtigsten Etappen der jüngeren deutschen Geschichte schlagen zu können: Kaiserreich, Revolution 1918/19, Weimar, NS-Machtübernahme, BRD-Gründung, Tagespolitik. Ein Nachteil des Buches liegt in seiner Tendenz: Die eigene Partei in irgend einer Weise negativ darzustellen; das kommt dem Autor kaum in den Sinn. Vier Sterne.

  • Albert Kropf
    2018-12-14 07:38

    Das Buch ist in der Beckschen Reihe für kleines Wissen erschienen und klein bleibt das Wissen hier auch tatsächlich. Es ist keine Ideengeschichte der Sozialdemokratie. Es ist auch keine Auseinandersetzung wie sich die Ideen über die Zeit entwickelten und veränderten. Es ist auch nicht die Geschichte der Partei August Bebels, Wilhelm Liebknecht, Rosa Luxemburgs, Franz Mehrings oder auch Karl Kautskys. Was ist es dann?Es ist der Versuch in der Debatte um den Charakter der Partei - Arbeiter/innenpartei oder soziale Volkspartei - zu beweisen, dass sie eigentlich immer letzteres war. Es ist letztlich damit auch die Geschichte der Partei der Steinbrücks, Steinmeiers, Gabriels und Schröders. Also jener, die es schafften aus der einst großen Arbeiter/innenpartei einen verwaschenen Wähler/innenverein ohne Basis zu machen. Und genauso uninteressant wie die heutigen SPD Politiker/innen ist auch das Buch.Fazit: nicht lesenswert