Read Die Zeit gehört uns: Widerstand gegen das Regime der Beschleunigung (HERDER spektrum) by Friedhelm Hengsbach Online

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Immer schneller und noch schneller Diesen Satz haben viele von uns schon l ngst verinnerlicht und zum Lebensmotto auserkoren Doch woher kommt der atemlose Zeitdruck, der alle Lebensphasen und Lebensbereiche durchdringt Der Theologe und Jesuit Friedhelm Hengsbach sp rt den Ursachen des imperialen Temporegimes nach Er erkennt eine Ursachenkette, die von den entfesselten Finanzm rkten ausgeht, betriebliche Umbauten ausl st und in die allt gliche Lebenswelt eindringt Wie k nnen die gesellschaftlichen Teilsysteme Politik, Bildung, Familie die bergriffe des Finanz und Wirtschaftssystems abwehren Der Autor er ffnet Perspektiven der Ver nderung und pl diert f r ein humanes Zeitma....

Title : Die Zeit gehört uns: Widerstand gegen das Regime der Beschleunigung (HERDER spektrum)
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ISBN : 345106703X
ISBN13 : 978-3451067037
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Verlag Herder Auflage 1 11 Februar 2014
Number of Pages : 461 Pages
File Size : 672 KB
Status : Available For Download
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Die Zeit gehört uns: Widerstand gegen das Regime der Beschleunigung (HERDER spektrum) Reviews

  • V. Bracke
    2019-08-25 12:28

    "Die Zeit gehört uns - Widerstand gegen das Regime der Beschleunigung"Vorweg: schon der Titel enthält m. E. Andeutungen, denen das Buch inhaltlich nicht gerecht wird. "Die Zeit" wird in ihren hinreichend bekannten physikalischen, historischen und gesellschaftlichen Facetten durchdekliniert, ohne dass der Autor eine eigene neue Perspektive anbietet. Der Rede vom "Regime der Beschleunigung" fehlt das Herrschaftssubjekt, das seinen Nutzen daraus zöge und gegen das ein Widerstand sich formieren könnte oder sollte. Gut, dem "uns" bzw. "Wir" gilt das respektable Interesse von Hengsbach in seinem Plädoyer für Gerechtigkeit, Solidarität, Mitbestimmung, aktive Demokratie usw. als Ausdrucksweisen "unserer" - gemeinschaftlichen - Zeitaneignung, des selbstbestimmten "Zeitens" und Zeit-Verbringens anstelle passiven "Gezeitet-Werdens".Insgesamt bleibt das Buch aber beschränkt auf eine zwar umfassende und durchaus klärende Diagnose der Umstände der heutigen Beschleunigungswahrnehmung. Es bringt Phänomene zusammen, die oft dissoziiert voneinander diskutiert werden (realitätsentkoppelte Finanzwirtschaft - deregulierte Arbeitsverhältnisse - Informationsinflation - verkürzter Blick auf Arbeit vs. Freizeit, neudeutsch "work-life-balance") und schärft den Blick für die Kontinuität politischer (Fehl-)Entscheidungen, wo allzu gerne von alternativlos-situativen Notprogrammen die Rede ist.Geht es jedoch um einen Perspektivwechsel und die aktive Suche nach Alternativen, dann ist z.B. aus Byung-Chul Han's Essay "Duft der Zeit" mehr zu holen; Harald Welzer ("Selbst denken") bietet konkretere widerständige Ideen an, und selbst Peter Glotz, eher ein Beschleunigungs-Positivist, hatte bereits 2003 ("Die beschleunigte Gesellschaft") kreativere Ideen zum Rhythmus zwischen Be- und Entschleunigung beizutragen.So verstehe ich den abgeklebten Zeiger des Buchtitels (durchaus falsch verwendet: auch diese Uhr würde nicht schneller ticken ...) als Ausdruck der vorzeitig abgebrochenen Argumentation des Autors und seiner Beschränkung auf bereits bekannte Positionen - deshalb der Punktabzug.

  • B. Gutleben
    2019-09-15 17:50

    Zum Glück geht es in diesem Buch nicht nur um das Phänomen der Beschleunigung - dazu sind in den letzten Jahren schon gute und teilweise auch erhellendere Bücher veröffentlicht worden. Hengsbach punktet bei mir vor allem mit dem Blick hinter die Kulissen, mit seiner Analyse der politischen, wirtschaftlichen und damit auch gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten drei Jahrzehnten, die uns immer mehr zu Getriebenen machen. Er zieht eine beachtenswerte Kontinuitätslinie vom Lambsdorff-Papier, das zu Beginn der 1980er Jahre das Ende der sozialliberalen Koalition einläutete, über die Agenda-Politik der rot-grünen Koalition unter Schröder bis zu den heutigen Finanzkrisen und Rettungsaktionen auf Kosten der kleinen Leute. Er übt scharfe Kritik an der Deregulierung der Arbeitsverhältnisse, der Demontage der sozialen Sicherungssysteme und dem zunehmenden Verlust an innergesellschaftlicher Solidarität. Bei der Ursachenforschung scheut er sich nicht, den Kapitalismus beim Namen zu nennen und dagegen anzuschreiben, dass »die Abstimmungen der politischen Klasse im Schulterschluss mit den Wirtschafts- und Finanzeliten ... als alternativlos vermittelt werden«.Nicht alle Alternativen, die Hengsbach anbietet, finde ich gleichermaßen überzeugend, aber fast will es mir scheinen, dass die katholische Sozialethik eine der letzten Bastionen ist, die gegen das Regime der »Märkte« standhält. Nicht zuletzt deshalb wünsche ich diesem Buch viele Leserinnen und Leser, und am besten solche, die sich nicht mit der Lektüre begnügen sondern schauen, ob sie im Anschluss nicht auch etwas verändern können.

  • Falk Müller
    2019-09-04 13:38

    Wir leben heute in einer Beschleunigungsgesellschaft, stellt der Autor fest. Und die Beschleunigung durchdringt alle Lebensphasen und Lebensbereiche. Eltern rennen aufgeregt zum Kinderarzt, wenn ihr Kind noch nicht früh genug laufen kann, von Schülern wird erwartet, dass sie bereits in 12 statt in 13 Jahren den Stoff beherrschen, Arbeitnehmer leiden unter Hetze, Termindruck, Überstunden am Arbeitsplatz. Selbst nach der Arbeit dreht sich das Rad weiter, und vor allem immer schneller: Kunden werden ungeduldig, sobald sich vor der Kasse im Supermarkt eine Schlange bildet, oder sie bei Behörden länger warten müssen.Und was ist das Ergebnis von dieser pausenlosen Beschleunigung? Der Autor nennt Studien, dass sich in Deutschland in den letzten 20 Jahren die Anzahl der psyhosomatischen Krankheiten verdoppelt hat - inzwischen kennt wohl jeder Beispiele aus dem eigenen Umfeld. Und die Menschen werden immer unzufriedener, sehnen sich nach mehr Ruhe. Nach einer Forsa-Studie empfinden 8 von 10 Deutschen ihr Leben als stressig.Doch was kann man dagegen tun? Ein Patentrezept hat Friedhelm Hengsbach natürlich auch nicht. Einfach die Zeiger der Uhr festkleben, wie auf dem Buchcover, wäre zwar schön, geht aber nicht. Er plädiert stattdessen für ein langfristiges Umdenken. Seine Kernthese ist: Was uns fehlt, ist eigene Zeit, nicht beschleunigtes Wachstum. Dass es lange dauert, bis sich in einer demokratischen Gesellschaft irgendwas bewegt, sich das Bewusstein wandelt, räumt er dabei durchaus ein. Aber man muss anfangen, gegenzusteuern. Das Buch ist ein guter Beitrag dafür.