Read Kampf im Rufiji- Delta by R. K. Lochner Online

Title : Kampf im Rufiji- Delta
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ISBN : 3453024206
ISBN13 : 978-3453024205
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : Heyne Verlag Juni 1994
Number of Pages : 498 Pages
File Size : 986 KB
Status : Available For Download
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Kampf im Rufiji- Delta Reviews

  • Thomas Hillenbrand, Reutlingen
    2018-11-11 13:07

    Der Marinehistoriker R. K. Lochner verstarb überraschend kurz vor Abschluss dieses Buches im Juni 1984. Seine Familie stellte das Manuskript fertig, ihr ist es zu verdanken, dass damit ein klassisches Werk über den Kampf um die Herrschaft auf den ostafrikanischen Seen 1914 - 1916 und der weiteren Ereignisse in dieser Region bis 1918 verlegt werden konnte.Dass nähere biographischen Angaben über die Protagonisten v. Lettow - Vorbeck, Dr. Schnee, den Kommandanten der "Königsberg" und andere wünschenswert wären, aber fehlen, ist wohl auf das vorzeitige Ableben des Autors zurückzuführen. Trotzdem stellt dieses Buch mit seiner Fülle von Details geographischer, taktischer und historischer Art eine große Leistung dar, das Kriegsgeschehen in Ostafrika dem Leser nahe zubringen. Es gelingt dem Autor, den Leser in das Geschehen einzubeziehen. Als Fachmann beherrscht Lochner sowohl die Terminologie des Strategen, Technikers, Geographen und Historikers, als auch die Gabe, gegensätzliche Standpunkte der deutschen und britischen Seite für den heutigen Leser verständlich zu machen. Da das Buch noch vor der grassierenden "politischen Korrektheit" erschienen ist, vermittelt es ein wesentlich objektiveres Bild als neuere Werke mit bestimmter ideologischen Ausrichtung. Dem Leser werden Hintergründe erschlossen, sowohl was das Verhältnis der deutschen zur afrikanischen Bevölkerung betrift, als auch die durchaus unterschiedliche Sichtweise der Briten, Franzosen und Belgier zu den Afrikanern. Ein wesentlicher Teil des Buches hat von Lettow - Vorbeck und seine aus Askaris und Weißen bestehende Armee zum Thema.Diese Armee kapitulierte nicht bis zum, im afrikanischen Busch um einige Tage verzögerten, Kriegsende. Dem Leser erschließt sich hier eineheute kaum für möglich gehaltene Seite menschlicher Verhaltensweisen des gemeinsamen Handelns. Sehr interessant sind präzisen Schilderungen der abenteuerlichen Reise der britischen Schnellboote "Mimi" und Toutou" durch den Busch zum Tanganjika See, die Fahrt des Zeppelins L 59 in Richtung Deutsch - Ostafrika und die der späteren Verwendung des Schiffskanonen der "Königsberg" im afrikanischen Busch.Von Lettow - Vorbeck wird heute - zu Recht oder zu Unrecht - kritisch gesehen. Lochner begibt sich hier explizit auf keine Seite, er wendet sich gegen den Kolonialismus, doch gleichzeitig gegen die Geschichtsklitterung, vergangene geschichtliche und kriegerische Abläufe mit der Moral von heute zu sehen. Der Autor lässt die Gegebenheiten für sich sprechen, ein Vergleich der kolonialen Zeit mit der Gegenwart von 1984 zeugt jedoch nicht nur von Fortschritten und Verbesserungen, sondern auch von falschen, ideologisch begründeten Fehlentscheidungen.Eine Zeittafel und eine sehr ausführliche Literaturauswahl beschließt diese großangelegte Schau auf eine zwar überaus interessante, aber eben doch geschichtliche - Episode.Dieses Buch hat mich während einer fast zweijährigen Afrikareise in den neunziger Jahren begleitet. Die plastischen Darstellungen haben mich beim Besuch des Tanganjika Sees, der Stadt Kigoma sowie der umliegenden Region sehr fasziniert.Etliche Spuren deutscher Geschichte waren auch nach dieser großen Zeitspanne noch sichtbar und erlebbar.Für alle, die historisch interessiert sind und denen Afrika viel bedeutet, ein "Muss".

  • birddog
    2018-10-28 18:35

    "Kampf im Rufiji-Delta. Das Ende des Kleinen Kreuzers 'Königsberg'" ist das letzte Werk des 1984 verstorbenen Marinehistorikers Reinhard Karl Lochner. Laut Einband "rekonstruiert" der Autor in seiner Publikation "minuziös ein weitgehend unbekanntes Kapitel deutscher Kolonial- und Seekriegsgeschichte". Offenbar sah sich Lochner während der Arbeit an seinem Buch mit der Tatsache konfrontiert, daß das Schicksal der "Königsberg", ihrer Besatzung und ihrer Kanonen zu wenig Stoff für den geplanten Bericht abgab. Und auch die Geschichte der beiden Sperrbrecher "Rubens" und Marie" sowie der Auseinandersetzungen der Kolonialmächte auf den Großen Seen Ostafrikas scheint ihm nicht ergiebig genug gewesen zu sein. Vielmehr sei es "unvermeidlich" gewesen", heißt es im Vorwort, daß in den "Mittelpunkt" der Darstellung "die Gestalt des genialen Guerilla-Kriegführers Lettow-Vorbeck trat" (S. 8). Deshalb bekam der Band dann wohl auch den zweiten Untertitel "Die deutsche Marine und Schutztruppe im Ersten Weltkrieg in Ostafrika". Diese Ausweitung der Berichterstattung auf den Landkrieg in Deutsch-Ostafrika wird der Veröffentlichung dann auch zum Verhängnis. Lochner ist ohne Zweifel ein Fachmann in maritimen Fragen. Aber er ist nun mal kein intimer Kenner militärischer Auseinandersetzungen zu Lande. Das von ihm geschilderte Geschehen dort macht den Eindruck einer Aneinanderreihung von Einzelepisoden. Dem Verfasser gelingt es nicht, die Kämpfe in der Kolonie in einen konsistenten Zusammenhang zu bringen. Dies zunächst einmal vorweg. Wie bereits angedeutet ist das Buch immer dann gut, wenn Lochner das Ringen auf dem Wasser schildert. Zudem gelingt es dem Verfasser, die Konflikte zwischen Gouverneur Schnee und Lettow-Vorbeck als Kommandeur der Schutztruppe einprägsam herauszuarbeiten (vgl. z. B. S. 79ff.). Auch die Rolle von Fregattenkapitän, später Kapitän zur See Looff, dem Kommandant der "Königsberg", in diesem Konflikt kann Lochner aufzeigen. Schließlich ist das Bemühen des Autors anzuerkennen, mit zahlreichen Karten die von ihm geschilderten Kämpfe nachvollziehbarer zu machen. Mein Hauptkritikpunkt besteht darin, daß Lochner den Leiter der Schutztruppe, Paul von Lettow-Vorbeck, geradezu vergöttert. Er überschlägt sich fast mit Lob für diesen Mann, stellt ihn auf ein Heldenpodest (vgl. S. 392ff.; auch S. 181). So attestiert er Lettow-Vorbeck "Charakterstärke, Überzeugung und professionelle Fähigkeit" (S. 393). Auch habe der 'bescheidene' (S. 236) Lettow "realistisch die Entwicklung eines totalen Krieges" vorausgesehen (S. 65), von seiner Leistung als Schöpfer der Guerilla-Taktik (vgl. S. 392ff.) einmal ganz abgesehen. "Vielleicht war Lettow", schreibt Lochner, "der erste wirklich moderne Truppenführer: Feten, Honneurs, gesellschaftliche Ereignisse und Salonlöwen-Machismo waren ihm im Tiefsten zuwider, wie Schmeicheleien und höfische Etikette. - Freunden, Tapferen und Tüchtigen war er ohne Lobhudelei von Herzen zugetan. Aber ohne Ansehen von Person, Rang oder früherer Freundschaft ließ er Versagende ablösen" (S. 398f.). Es ist diese penetrante Verehrung des Schutztruppen-Führers, die bei der Lektüre des Buches besonders aufstößt. Fast kommt es einem so vor, als ob damals in Ostafrika Lettow-Vorbeck einen 'Privatkrieg' gegen Briten und Belgier geführt hätte. Kann es wirklich sein, daß der Mann überhaupt keinen Makel gehabt hat? Gegenüber ihm verblassen alle anderen Akteure im ostafrikanischen Kolonialkrieg. Neben dieser überzogen positiven Zeichnung Lettow-Vorbecks sowie den eher unkritisch an der Oberfläche des Geschehens verbleibenden Schilderungen der Kämpfe zu Lande sei noch auf einen weiteren Mangel des Buches hingewiesen. Warum sich im Anhang des Bandes ein Abschnitt mit der Überschrift "Die Region heute (1984)" (S. 407ff.) befindet, kann ich nicht nachvollziehen. Dies umso mehr, als hier sehr gewagte, nur äußerst dürftig mit Argumenten unterlegte Thesen vorgetragen werden. So heißt es auf S. 408 im Brustton der Überzeugung: "Eine gerechte Beurteilung des deutschen Anteils an diesen Entwicklungen der Kolonialzeit muß zu dem Ergebnis kommen, daß die deutschen Kolonialverwaltungen nicht schlimmer und nicht viel besser waren als alle anderen." Zudem werden die Auswirkungen des Kolonialismus auf die jungen afrikanischen Staaten auf fragwürdige Weise relativiert. "Die Fehlplanungen der Kolonialverwaltungen vor der Jahrhundertwende sind nicht erwähnenswert neben den gigantischen Fehlplanungen der Entwicklungspolitik unserer Zeit ...", bekundet Lochner so auf S. 408. Und was soll der Leser von folgendem Schlußplädoyer halten: "Es wäre zu wünschen, daß der heutige Einsatz für die Entwicklung der Dritten Welt ein ebensolches Maß an Solidarität und Energie freisetzt wie die damaligen deutschen Kolonialbemühungen, die in einem vierjährigen, unvorstellbar entbehrungsreichen Buschkrieg untergingen (S. 420). Ein wirklich absonderlicher Vergleich. Auf den Abschnitt "Die Region heute (1984)" hätte man somit gut und gern verzichten können. Schuster, bleib bei deinen Leisten: so oder ähnlich könnte ein Fazit zu Reinhard Karl Lochners Buch lauten. Überall, wo der Marinehistoriker sich auf die Schilderung maritimer Ereignisse i.w.S. konzentriert, hat der Band seine Stärken. Alle anderen Teile der Publikation - Berichte über die Kämpfe zu Lande, Aussagen zur Person Lettow-Vorbeck und der unsägliche Abschnitt im Anhang - machen diese Stärken jedoch wieder zunichte. Alles in allem ein Buch, das sich einfach zu viel vornimmt, und letztlich an dieser Überfrachtung und der unsäglichen Verehrung seines Hauptprotagonisten scheitert.