Read Manifest des neuen Realismus (Schriftenreihe des Käte Hamburger Kollegs "Recht als Kultur", Band 6) by Maurizio Ferraris Online

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Dieses Buch, das in Italien bereits mehrere Auflagen erlebt hat, ist ein Manifest, das sich gegen zwei Bewegungen wendet gegen das postmoderne Denken und seinen Kult der Ironisierung, der das Denken insgesamt unter den Universalverdacht der F lschung setzt und den Wert der Wirklichkeit bzw eines Wissens von Wirklichkeit diskreditiert und gegen einen Konstruktivismus, der die Welt in der Begriffsarbeit seiner Beobachter hervorbringt Dem postmodernen Angriff auf die Wirklichkeit im Medium der Entdifferenzierung von Sein und Wissen, Feststellen und Akzeptieren, Wissen und Macht wird eine Wiederbelebung der Philosophie als Br cke zwischen den moralischen Wertungen und Meinungen und der Welt des Wissens entgegengestellt Ferraris Thesen sind aufregend in einem Klima, in dem die beliebige Setzbarkeit des Rechts durch nichtbeliebige Grundrechte, Menschenrechte und institutionelle Ewigkeitsklauseln Art 79, Abs.3 GG limitiert wird Sie leisten Aufkl rung auch dar ber, dass sich die letzte Frage der Gerechtigkeit nicht dekonstruieren l sst....

Title : Manifest des neuen Realismus (Schriftenreihe des Käte Hamburger Kollegs "Recht als Kultur", Band 6)
Author :
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ISBN : 9783465042143
ISBN13 : 978-3465042143
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Klostermann, Vittorio Auflage 1., 2014 1 M rz 2014
Number of Pages : 90 Seiten
File Size : 680 KB
Status : Available For Download
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Manifest des neuen Realismus (Schriftenreihe des Käte Hamburger Kollegs "Recht als Kultur", Band 6) Reviews

  • Thomas Pawelek
    2018-12-01 10:11

    Die Kritik an den Auswüchsen des Konstruktivismus und der Dekonstruktion - so wie von Ferraris dargestellt, scheint berechtigt. Dennoch stellte ich mir während des Lesens immer wieder die Frage, ob der Autor nicht gegen einen Strohmann argumentiert — zumindest hatte ich während der Lektüre postmoderner Autoren nie das Gefühl, dass eine jenseits der Interpretation liegende Realität negiert wird; für mich war innerhalb meiner "materiellen" Lesart von Lacan stets klar, dass Subjektivität auch von unbeseelten Objekten, deren Existenz und Einfluss völlig unabhängig von jeglicher Interpretation ist, konstituiert wird. Auch kann ich mich mit Ferraris Schreibstil nicht anfreunden; es schwingt stets etwas vulgäres mit, das aber keineswegs so ausgeprägt ist wie bei Markus Gabriel.

  • Theatermann
    2018-12-03 11:42

    Der polemische Angriff, der hier gefahren wird, funktioniert prächtig, weil Ferraris sich einen Popanz aufbaut, nämlich »das« postmoderne Denken, der so dämlich ist, dass er sich leicht zerlegen lässt. Nun gibt es »das« postmoderne Denken nicht, sondern vielmehr zahlreiche verschiedene Strömungen des Denkens, die sich durch einige wenige (und nicht immer wesentliche) Eigenschaften zur Not in eine Kategorie einsortieren lassen. Auf manche dieser Richtungen mag einiges zutreffen, was Ferraris angreift, auf manch andere trifft es mit Sicherheit nicht zu. Der Popanz, gegen den Ferraris kämpft,. ist jedenfalls eine extrem trivialisierte Form einiger zweifellos vorkommender Übertreibungen. Das Verfahren ist also: Er nimmt ein paar Dummheiten, die einige Denker, die er seinem Hauptgegner zurechnet, geäußert haben, überspitzt diese bis zur Karikatur und bekämpft dann diese Karikatur. Anders gesagt: Er polemisiert gegen Auffassungen, die niemand geäußert hat, und platzt fast von Stolz, weil ihm die Widerlegung so gut gelingt.Aus der anderen Seite, also als positive Darlegung einer Auffassung, hat Ferraris’ »Neuer Realismus« von diesem Namen abgesehen, der direkt aus dem Marketing-Neusprech stammt, nichts weiter zu bieten als die Grundaussage: »Die Außenwelt und die Dinge in ihr existieren – und damit basta!« Das ist sehr dürftig und nicht einmal erhellend, wenn man die dargelegten Gedanken als Gegenstand der kritischen Auseinandersetzung nimmt. So kurz das Büchlein ist, so flach und überflüssig ist es.

  • Gerhard Mall, Darmstadt
    2018-11-14 05:50

    Das Manifest des neuen Realismus von Maurizio Ferraris ist eine vorzüglich formulierte und umfassende Darstellung aktueller Debatten der europäischen Philosophie. Jedem an Philosophie interessierten Leser kann ich das Manifest nur empfehlen. Ich selbst sehe einige Dinge etwas anders als Ferraris, was ich in meiner Rezension auch angesprochen habe. Bedenken habe ich beispielsweise gegen einige dogmatische Positionen zu Fragen der Ethik (siehe unten). Dies schmälert aber nicht meine Kaufempfehlung.Der neue Realismus wurde in Deutschland bekannt durch den Bestseller von Markus Gabriel "Warum es die Welt nicht gibt". Maurizio Ferraris und Gabriel kreierten nach eigenen Angaben den neuen Begriff am 23. Juni 2011 um 13:30 in Vorbereitung eines philosophischen Kongresses, um eine seit den neunziger Jahren sich abzeichnende Reaktion der zeitgenössischen Philosophie auf postmoderne Theorien zu beschreiben und zu fördern. Der neue Realismus möchte der Jahrhunderte alten Tradition von Decartes (Cogito, ergo sum), Kant (Ding an sich), Hegel (Phänomenologie des Geistes) und Nietzsche (Wille zur Macht, Umwertung aller Werte) bis hin zur analytischen Philosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und schließlich der Philosophie der Postmoderne (Lyotard, Derrida, Foucault), die alle in ihrer Skepsis gegenüber Sinneseindrücken nach Meinung von Ferraris auch die Wahrheit über Bord geworfen hatten, den neuen Realismus entgegensetzen mit dem Ziel, die philosophisch dekonstruierte Wahrheit - aus Sicht Ferraris' mit erheblichen negativen gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen - zu rekonstruieren.Ferraris behauptet, zwischen Ontologie und Epistemologie bestünden wesentliche Unterschiede, die an einer Invarianz der Umwandlungen festgemacht werden könnten und daß Wahrnehmungserfahrung eine wunderbare Stabilität und Widerständigkeit im Gegensatz zu begrifflichen Unternehmungen, die er konstruktionistisch nennt, besitze. Ich greife das Beispiel von Ferraris heraus, daß die über 4000 m hohen Berge auf dem Mond unabhängig von unseren Begriffsschemata existieren (sie würden in der Sicht des neuen Realismus auch existieren, wenn es keine Menschen gäbe).Die genannten Philosophen und viele andere mehr hätten Epistemologie (Interpretationen) und Ontologie (Tatsachen) verwechselt. Ergänzend weist Ferraris darauf hin, daß auch die Empiristen (z.B. David Hume) das Bild der Wissenschaft beschädigt hätten, indem sie aus Mißtrauen gegenüber der Erfahrung den Induktionsschluss in Frage gestellt hätten.Als perverses Beispiel einer Entobjektivierung nennt Ferraris die These von Feyerabend, daß eine privilegierte Methode der Wissenschaft nicht existiere und Weltanschauungen aufeinander träfen, die in hohem Maße incommensurabel seien. Beim Prozess gegen Galilei , argumentiert Feyerabend, sei der verurteilende Bellarmin im Grunde im Recht gewesen, da Galileis Thesen negative Auswirkungen auf die Ordnung einer Gesellschaft mit sich gebracht hätten, die in der obersten Kirche ihren Ordnungshüter fand. Ratzinger habe 20 Jahre nach Feyerabends Thesen das Jahrhunderte alte Urteil gegen Galilei aufgehoben und Feyerabends Thesen zur Unterstützung seines Arguments benutzt, daß das menschlichen Wissen in Antinomien münde, die nur in einer höheren Rationalität versöhnt werden könnten. Bezüglich der Antinomien stimme ich persönlich Ratzingers Interpretation zu (hier sei nur an Gödels Theorem, daß widerspruchsfreie geschlossene mathematische Systeme nicht existieren, erinnert). Ich finde es befremdlich, daß Ferraris die Position Feyerabends, die von vielen Wissenschaftlern und Philosophen geteilt wird, als pervers bezeichnet. Dies ist reine Polemik.Die kurze Zusammenfassung des neuen Realismus duch Ferraris selbst ist provokativ dogmatisch. Der neue Realismus sei eine kritische Lehre im zweifachen Sinne: im kantianischen Sinn zu urteilen, was wirklich ist und was nicht, und im marxistischen, zu verändern, was nicht gerecht ist. Und an anderer Stelle betont Ferraris: So ist das entscheidende Argument für den Realismus nicht theoretisch, sondern moralisch, weil es nicht möglich ist, sich in einer Welt ohne Tatsachen und ohne Gegenstände ein moralisches Verhalten vorzustellen. Was dies mit philosophischem Realismus zu tun haben soll, ist nicht verständlich, es handelt sich wohl um einen Zirkelschluß.Ferraris behauptet, Gerechtigkeit sei nicht dekonstruierbar, da Ontologie unveränderlich sei. Er führt den Begriff "Dokumentalität" ein, die ein schwacher Textualismus (sprich auch ein schwacher Konstruktionismus) sei, insoweit man annehme, dass die Einschreibungen entscheidend sind für die Konstruktion der sozialen Wirklichkeit, aber im Gegensatz zu den Postmodernen (mit ihrem starken Konstruktionismus) schließe er aus, daß die Einschreibungen für die Wirklichkeit im Allgemeinen konstitutiv seien. Diese Aussage wirkt wie eine naive, aber vergebliche gedankliche Anstrengung, die "Wahrheit" zu retten.Die Stärke von Ferraris Manifest besteht in den Analysen der rechten politischen Szene, wie nämlich der Verlust der Wahrheit antirationale populistische Bewegungen und Positionen fördert. Beispielhaft genannt seien seine Statements zu Heidegger, der nach einer radikalen Dekonstruktion der klassischen Philosophie dem "Führerprinzip" 1934 ethusiastisch huldigte und es sich auch nach den Kriege nicht verkneifen konnte, die Technik der Vernichtung der Juden und die technische Bearbeitung der Felder mit Mähdreschern in den USA als Beispiele der neuzeitlichen Seinsvergessenheit in eine Reihe zu stellen. Die Kritik am rechten Populismus und Irrationalismus sind starke und bedenkenswerte Passagen des Manifests und man spürt den Eros des Autors, sich fatalen Folgen philosophischer Dekonstruktion entschieden mit Vernunft und Aufklärung entgegenzustellen, allerdings - aus meiner Sicht - um den Preis eines linken Dogmatismus.Ferraris weist es von sich, daß ein vernunftgeleiteter Gelehrter, der aufgrund seiner Lehre und seiner Gescheitheit schwerlich gewalttätig sei, Dogmatismus und Gewalttätigkeit fördern könne. Diese Behauptung ist aber meines Erachtens nach den Erfahrungen des 20.Jahrhunderts mit marxistisch inspirierten totalitären Systemen nicht ganz überzeugend.