Read Die Erfindung des Individuums: Der Liberalismus und die westliche Welt by Larry Siedentop Online

die-erfindung-des-individuums-der-liberalismus-und-die-westliche-welt

Was sind eigentlich die viel beschworenen westlichen Werte Wann entstand die Idee des freien Individuums, auf der unsere Gesellschaft bis heute basiert Das anregende, gro e historische Zeitr ume berspannende Buch gibt berraschende Antworten auf zentrale Fragen der abendl ndischen Identit t.Mehr denn je geraten unsere bisher f r selbstverst ndlich gehaltenen westlichen Werte unter Druck Der sich rasant ausbreitende islamische Fundamentalismus, aber auch das autorit re China treten als machtvolle Antipoden zum westlichen Liberalismus, zur Idee der Freiheit und des Rechts des Individuums auf die B hne der Weltgeschichte Vor diesem Hintergrund nimmt Larry Siedentop die Geschichte der Entstehung unseres westlichen Wertesystems neu in den Blick In einem nahezu zwei Jahrtausende berspannenden Bogen erz hlt er von den entscheidenden philosophischen Wendepunkten Ein gro er geschichtlich philosophischer Wurf, der zeigt, was den Westen ausmacht und einmal mehr zu Bewusstsein bringt, dass nur, wenn wir uns selbst verstehen, ein fruchtbares Gespr ch mit anderen Kulturen m glich ist....

Title : Die Erfindung des Individuums: Der Liberalismus und die westliche Welt
Author :
Rating :
ISBN : 9783608948868
ISBN13 : 978-3608948868
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : Klett Cotta Auflage 2 5 Februar 2016
Number of Pages : 203 Pages
File Size : 799 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Die Erfindung des Individuums: Der Liberalismus und die westliche Welt Reviews

  • melpomene
    2018-12-03 06:11

    Das Buch stellt die Frage nach den ideengeschichtlichen Grundlagen und Bedingungen für die Entstehung moderner Ideen wie z.B. die Vorstellung, dass es fundamentale Grundrechte eines jeden Menschen gibt (die ihn unabhängig von seiner sozialen Stellung und Herkunft als Mensch und Individuum definieren) oder dass es einen Legitimationsbedarf von Machtansprüchen gibt (welche Vorstellung zur Entstehung des modernen säkularen Staates führt). Im Gegensatz zu gängigen Theorien über die Formierung solcher frühneuzeitlichen Ideen, welche die Rückwendung zur Antike durch die humanistischen Studien der Renaissance und die Bemühungen der Frühaufklärung um Überwindung der konfessionell bedingten Konflikte hervorheben, versucht der Autor dieses Buches auf einige bisher vernachlässigten Aspekten aufmerksam zu machen, wie z.B.:1. Die Tatsache, dass der Mensch in der Frühneuzeit zunehmend als Individuum aufgefasst wird (d.h. dass er nicht über gesellschaftliche Verhältnisse und Herkunft, sondern allein aufgrund seiner menschlichen Natur definiert wird), kann nicht in der humanistischen Rezeption der Antike ihren Grund haben, denn die Moralvorstellungen der Antike implizieren größtenteils ein Modell der moralischen Ungleihheit, welches Sklaverei legitimiert und den Menschen allein über seine gesellschaftliche Stellung und Familienzugehörigkeit definiert. Vielmehr enthält die christliche Religion gewisse egalitäre Vorstellungen, welche jedem Menschen unterstellen, für sein Denken und Handeln selbst verantwortlich zu sein, was zur Herausbildung von Mechanismen kritischer Selbstreflexion wie das Gewissen und ihrer Kultivierung (in der Form von christlicher Seelsorge) führt. Gerade diese auf die christliche Tradition zurückzuführenden Entwicklungen, die die innere Sphäre der Gesinnung und die natürliche Gleichheit aller Menschen in ihrer Beschaffenheit als moralische Subjekte implizieren, werden in dem Buch als die eigentlich tragenden Voraussetzungen für die Herausbldung moderner Subjektivität und Individualität herausgestellt.2. Die Leistung mittelalterlicher Theoretiker: Ein zweiter wichtiger Hinweis angesichts der Herausbildung des neuzeitlichen Menschenbildes wäre der auf die Leistung mittelalterlicher Denker, welche bestimmte antike Begriffe neubestimmen. So etwa wird hingewisen auf die franziskaner Mönche, die durch eine Neubestimmung des antiken Begriffs "dominium" dazu beitragen, diesen nicht mehr als priviligiertes Recht auf Grundherrschaft sondern als eine jedem Menschen zukommende Macht über seine eigene Handlungen zu verstehen, die sich dem individuellen Willen verdankt.Das Buch ist leicht geschrieben, aber es setzt gewisse Vorkenntnisse voraus. Wenn man sich bereits mit philosophischen Schulen der Antike und des Mittelalters beschäftigt hat, kann man wertvolle Anregungen bekommen und durch kritische Auseinandersetzung mit den vorgestellten Thesen die Plausibilität dieser Thesen überprüfen (wobei manche davon nicht unbedingt ganz neu sind: z.B. die These, dass das Christentum ein gewisses egalitäres Menschenbild impliziert, welches zur Herausbildung einer Fortschrittlichen Moral beiträgt, lässt sich noch bei Philosophen des deutschen Idealismus finden). Man sollte aber von dem Buch nicht erwarten, dass es ein gewisses Grundwissen ersetzt. Dafür sind die Referenzen in den Fußnoten gedacht, die auf Arbeiten zu philosophischen und ideengeschichtlichen Kontexten hinweisen. Auch sollte man nicht erwarten, dass im Buch der Liberalismus selbst diskutiert wird, was die deutsche Übersetzung des Untertitels vermuten lässt. Es geht um die Frage nach dem ideengeschichtlichen Ursprung des westlichen Liberalismus (wie es der Untertitel im Original ankündet: "The Origins of Western Liberalism").

  • Bildungsphilister
    2018-12-04 07:10

    ... überlegenswert. Denn Bücher wie dieses mit seiner gewiß gewagten geistesgeschichtlichen Herleitung "des" Westens und der "westlichen Werte" über gigantische historische Zeiträume hinweg müssen vielleicht scheitern. Interessanter ist aber die Frage, warum der Westen, was immer man darunter verstehen mag (im Durchschnitt: eine Mischung aus kapitalistischer Industriegesellschaft, liberaler Demokratie und sog. westlichem Lebensstil) so stark darauf angewiesen ist, eine Idee von sich zu entwickeln bzw. immer wieder das Scheitern seiner Ideen inklusive deren Missionsversuche miterleben zu müssen. Weniger affirmativ als Siedentop behandelt dieselben Fragen Panajotis Kondylis in seinen letzten Büchern zur westlichen Globalisierung im 20. Jh., ja schon in "Der Niedergang der bürgerlichen Denk- und Lebensform" (1991). Essayistisch beschwingter, aber keineswegs unseriöser und auch nicht antiwestlich kommt die innere Spannung des Abendlands zwischen Festungs- und Missionscharakter auch in Jürgen Großes "Der ferne Westen. Umrisse eines Phantoms" (2016) zur Sprache. Dort ist die spannende, vielleicht ja unauflösbare Frage: Warum haben sich vermeintlich universelle, "menschheitliche" Ideen in dieser Insistenz nur im europäischen Westen behauptet? Sind die Ängste, die der neuzeitliche Okzident jetzt vor dem kapitalistisch mobilgemachten und zu ihm aufbrechenden Weltrest empfindet nicht vergleichbar der Kommunismusfurcht des 20. Jh.s, als ja ebenfalls eine im Westen erfundene Ideologie in einer vermeintlich dafür gang ungeeigneten Weltgegend Karriere machte?

  • Raul Jaubein
    2018-11-29 04:04

    Siedentop mutet sich also an uns, dem Leser, zu erklären wie das Individuum entstand - er mutet sich an, zumindest laut Klappendeckel, etwas über "unseren" Westen zu sagen. Interessant. So viel zum Eindruck, den sicher nicht nur ich zunächst hatte. Ich habe mir das Buch aus philosophischem Interesse gekauft, hatte bedenkenlos die Zuversicht eine philosophische Abhandlung über den zurzeit im Westen herrschenden Liberalismus erworben zu haben.Bei der Lektüre treten die ersten Irritationen auf; zunächst der Umstand, dass es sich um eine ideengeschichtliche Abhandlung handelt, welche den Anspruch erhebt die ideengeschichtliche Entwicklung von der Antike bis in die Gegenwart zu erklären. Das geschieht anhand willkürlich ausgewählter geschichtlicher oder philosophischer Texte oder Ereignisse. Was also gerade passt und sich in das Erklärungsmuster einschickt.Das ist aber nicht der Grund, weshalb ich dem Buch nur 2 Sterne gebe; es ist vielmehr der Grund, weshalb ich ihm sogar - oder wenigstens - zwei Sterne gebe.Es geht darum, dass Siedentop unzählige Sachverhalte in den Raum stellt, die er - und somit dem Leser - als selbstverständlich erachtet, und das mit solcher Präpotenz, dass es für einen philosophisch etwas bewanderten Leser unmöglich wird weiterzulesen. Er distanziert sich von seinem Forschungspunkt nie - in keiner Sekunde - um sich in Objektivität zu bemühen und scheint dies auch nicht als nötig zu empfinden. Beispiel?, er schreibt bspw. vom "Individuum" das zur "organisierenden sozialen Rolle im Westen wurde" und das sei ja etwas das "wir(!) für selbstverständlich halten" (S. 11) - nein, halte ich nicht. Und ich wüsste nicht weshalb. Aber scheinbar soll ich das; wie aus dem Vorwort hervorgeht, waren die Beweggründe dieses Buch zu schreiben der aufziehende islamische Fundamentalismus; im Angesicht dessen sollten wir uns also - so der Impetus des Buches - unserer tollen Werte im Westen besinnen, wie dem Individualismus und dem Liberalismus und unsere "liberale säkulare Welt" (ebda.). Huntington lässt grüßen.Ich habe aber weitergelesen, weil ich dachte, vielleicht sei der von mir empfundene Unterton ja falsch interpretiert - es wird sogar noch anmaßender, um nicht zu sagen abstoßend. Das sagt Siedentop bspw. über die antike Familienkultur: "Es war eine in vielerlei Hinsicht abstoßende (!) Gesellschaft, in der Ahnenverehrung, Familienkult und Erstgeburtsrecht völlig ungleiche soziale Identitäten schufen" (S.17). Der Glaube der antiken Römer ist z.B. ein "primitiver Glaube" (S. 24). Hier wird klar, dass Siedentop also den Individualismus des postmodernen liberalistischen Westens ungeblümt als die Krone der Schöpfung ansieht, als "die beste aller Welten". Ja, er behauptet sogar, das Christentum sei erst dadurch möglich geworden. Also nicht z.B. viel eher durch Paulus.Wie eingeschrieben diese Überzeugung ist, wird - abschließend -: durch eine Stelle deutlich, die dadurch erst umso irritierender wird, da er sie allen Lesern als selbstverständlich in den Mund legt, ja er nimmt an, 'alle" würden doch so denken - machen Sie sich selber ein Bild:"Wenn wir heute einem anderen Menschen begegnen, sehen wir in ihm vorrangig ein Individuum mit Rechten und kein Familienmitglied, dem ein bestimmter Status zugewiesen ist. Das heißt, wir sehen in Menschen rationale Handlungsträger, die aufgrund ihrer Fähigkeit zu denken und zu entscheiden ein ein Anrecht auf einen grundlegenden Gleichheitststatus haben, auf eine moralische Gleichwertigkeit. Wir sind sogar geneigt, diese moralische Gleichheit als Wahrnehmungstatsache und nicht als soziale Bewertung zu betrachten, so tief verwurzelt ist unsere Annahme (!!sic!!)..." (S. 25)Den Liberalismus also als Entwicklungskrone einer 3000 Jahre alten 'gemeinsamen'(sic!) Geschichte zu betrachten, die es nun nocheinmal anzusehen und sich in Bewusstsein zu rufen gälte, da sie nun 'bedroht' sei - so in etwa lautet die Kernaussage des Buches.Ich zumindest kann einer solch einschlägigen, tendeziösen Literatur, die sich wissenschaftlich schimpft, nichts abgewinnen. Es tut mir Leid um das viele Geld.